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24. 03. 2011
Gert Latzel
Tom's Networking Guide

Zum 110. Geburtstag von Linus Pauling

Doppelt Nobel

Vor kurzem jährte sich der Geburtstag von Linus Pauling zum 110. Mal. Grund genug, sich mit dem herausragenden Wissenschaftler eingehender zu beschäftigen.
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Linus Pauling ? Wissenschaftler und Vorbild - vor 110 Jahren geboren

Kurze Biographie

Linus C. Pauling wurde am 28. Februar 1901 in Oswego, einem Stadtteil von Portland in Oregon, als Sohn des Apothekers Henry H.W. Pauling und seiner Frau Lucy geboren. Er besuchte die Washington High School in Portland, machte dann 1922 sein Bachelor-Diplom am Oregon State College und 1925 sein Doktor-Examen (PhD) am California Institute of Technology (Caltech). In seinem langen Forscherleben bis zum 19. August 1994 erhielt er zahlreiche Auszeichnungen in vielen Ländern der Erde.

Er war ein außergewöhnlicher Mensch, dem man schon in jungen Jahren höchste Auszeichnungen wie z.B. den Nobelpreis zutraute; dennoch erhielt er ?Ironie des Schicksals - erst 1962 sein High School Diplom kurz vor Erhalt seines zweiten Nobelpreises (1963). Seine Fähigkeiten waren so herausragend, dass er ohne High School Diplom studieren und am hoch angesehenen Caltech promovieren und habilitieren konnte. Sein Vater war früh verstorben und seine Mutter während seiner letzten High-School-Jahre erkrankt. So erwarb er sich am College als Kursleiter seinen Lebensunterhalt, aber auch seine von ihm über alles geschätzte Frau Ava Helen. In einem Statement betont er einmal, dass eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Tätigkeit als verantwortungsbewusster Wissenschaftler ein umfangreiches Gedächtnis sei. Er sei in diesem Punkt bevorzugt gewesen, da er nicht nur sein eigenes Gedächtnis nutzen konnte, sondern ihm auch das seiner geschätzten Gattin zur Verfügung gestanden habe.

Linus Pauling vor einem Wandbild von Pablo Picasso Guernica. (Bild: Institut für den Wiss. Film)

Dies hat möglicherweise zu seinem zweiten ungeteilten Nobelpreis beigetragen (Friedensnobelpreis). Hatte er für sein ausgezeichnet logisches und anschauliches Vorgehen bei der Interpretation atomarer und molekularer Strukturen 1954 den Chemie-Nobelpreis erhalten, so könnte seine Zurückhaltung bei der Entwicklung der verschiedenen den Weltfrieden gefährdenden Waffensysteme (Atom- und Wasserstoffbomben) auf das gute Verständnis mit seiner Gattin Ava Helen begründet sein. Damit hat sich Pauling im 2. Weltkrieg und danach völlig anders verhalten als der deutsche Nobelpreisträger Fritz Haber im 1. Weltkrieg. Haber hat nämlich den später geächteten Giftgaseinsatz engagiert vorangetrieben. Dies konnte seine erste Frau Clara, geborene Immerwahr, nicht ertragen und richtete sich selbst mit der Dienstwaffe ihres Mannes, der zu einem Kurzurlaub von der Front nach Hause gekommen war. Paulings Haltung ist wohl zu Recht mit einem ungeteilten Friedensnobelpreis belohnt worden. Er hat damit bisher als einziger Mensch zwei ungeteilte Nobelpreise entgegennehmen können. Dennoch wurde er häufig lächerlich gemacht und missverstanden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass jemand, der die von anderen erkannten Ergebnisse umfangreicher und vollständiger interpretieren kann, verhasst ist und man freut sich, wenn dieser auf die Nase fällt.

Dazu ein Zitat aus dem Buch von J.D. Watson zum Wettlauf um die Entdeckung der DNS-Struktur:

"So einen wie Linus gab es auf der ganzen Welt nicht noch einmal! Diese Kombination von wunderbarem Intellekt und ansteckendem Lächeln war einfach unübertrefflich! Mehrere seiner Kollegen jedoch beobachteten das Schauspiel mit gemischten Gefühlen. ....Selbst wenn er nur Unsinn vorbrächte ? seine Studenten, hypnotisiert, wie sie waren, würden es wegen seines unbeirrbaren Selbstvertrauens nie merken. Etliche seiner Kollegen warteten in aller Ruhe auf den Tag, wo er irgendetwas Wichtiges verpatzte und damit gründlich auf die Nase fiel."
[Quelle: J.D. Watson, Die Doppel-Helix. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1969]

Watson und Crick, die Entdecker der DNS-Doppel-Helix-Struktur, waren jedenfalls sehr bemüht, auszunützen, dass man Pauling nach dem zweiten Weltkrieg wegen dessen Aktivitäten gegen die Atombombenversuche in der Atmosphäre die Ausreise zu wissenschaftlichen Kongressen aus den USA verweigerte, weswegen er die aufschlussreichen Röntgenkristallstruktur-Aufnahmen von Rosalind Franklin in London nicht sehen konnte; sie befürchteten nämlich, dass er besser als sie diese Strukturen interpretieren könnte. Als Pauling 1984 auf diesen Umstand angesprochen worden war, hat er sich wesentlich diplomatischer geäußert etwa in dem Sinn, dass er es gut fand, dass sich Watson stimuliert hat weiter zu forschen, nachdem er die Wichtigkeit der Forschungen auf diesem Gebiet erkannt hatte. [Aus dem Sonderdruck: G. Latzel, Linus Pauling on his Life for Science and Peace. Institut für den Wiss. Film (IWF) Film G 225, Göttingen 1994]

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