Test Zyxel PLA-491
Test Zyxel PLA-491
Mehrfachsteckdose mit Powerline
Fazit
So praktisch Zyxels Homeplug-AV-Adapter PLA491 mit seiner Mehrfachsteckdose und dem integrierten Entstörfilter sein mag: Im Zusammenspiel mit dem PLA400 der Version 2 zeigt er nur ansatzweise, welches Potenzial Homeplug-AV annähernd hat: rund 60 MBit/s. An allen anderen Messorten aber liegt der Durchsatz deutlich niedriger.
An etwaigen Störern auf der Stromleitung liegt es nicht: Die Frequenzbänder wurden während der Messungen laufend mit einem Spektrum-Analyzer von Hameg, der im nativen Modus bis 50 MHz arbeitet, überwacht.
In geöffnetem Zustand zeigt der PLA491 die Platine mit dem Fast-Ethernet-Switch (oben) und darauf aufgesetzt die PLC-Logik. Über die Adern in Schwarz und Braun fließen die Powerline-Daten. (©Smartmedia PresSservice)
Der schlechte TCP-Durchsatz schlägt sich auf die Eignung für Video-Streaming nieder. Die ist aber nicht nur wegen des niedrigen Durchsatzes eingeschränkt, sondern auch deshalb, weil keinerlei QoS-Mechanismen zu greifen scheinen: Der VoIP-Test offenbart, dass Sprachpakete eben nicht bevorzugt behandelt werden. Verwunderlich ist das nicht: Erst der Anfang Januar 2009 vorgestellte PLC-Chipset INT6400 von Intellon soll QoS mit "contention-free access, four-level priority-based contention access and multi-segment bursting" beherrschen. Beim Vorgängermodell INT6300, mit dem sich nicht nur Zyxel sondern auch alle anderen Anbieter von Homeplug-AV-Powerline-Technik begnügen müssen, ist von QoS dagegen nicht die Rede.
Ein Heimnetz für den gemeinsamen Zugriff auf das Internet mag sich mit dem Pärchen PLA491-PLA400 gerade noch einrichten lassen. Für Streaming oder Internet-Telefonie taugt die Homeplug-AV-Technik in der Ausprägung INT6300 jedoch zumindest an der Messlokation 1 nichts.
Ob sich die Entwicklung neuer Homeplug-AV-Produkte auf Basis des neuen INT6400 noch lohnt, darf bezweifelt werden: Anfang Januar 2009 hat die Internationale Telekommunikations-Union (ITU) den Standard "G.hn" verabschiedet, dessen Empfehlung ITU-T G.9960 eine standardisierten und interoperablen Weg öffnet, Heimnetzwerke mit einer hohen Bandbreite für hochqualitative Übertragung von Video und Daten auszustatten, wobei als Übertragungsmedien Stromkabel, Telefon- und Koaxialleitungen in Betracht kommen.
G.hn/G.9960 soll die drei marktbeherrschenden PLC-Standards Homeplug AV (Intellon), UPA (DS2) und HD-PLC (Panasonic) beerben, ist zu diesen aber ebenso wenig kompatibel wie diese drei untereinander. Allerdings stehen dieses Mal nicht ein paar Chipentwickler ohne eigene Fertigung (Intellon, DS2) dahinter, sondern unter anderen die großen Chipfertiger Intel, Infineon und Texas Instruments.
"Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte", hatte der Tom's Networking Guide Deutschland im Juli 2008 getitelt, und Marktanalysten scheinen unserer Einschätzung Recht zu geben: Zumindest kommentiert Kurt Scherf, Analyst bei Parks Associates: "Wir glauben, dass die ITU-Arbeit ein wichtig Schritt in Richtung Defragmentierung der Branche und Umsetzung der Vision eines vernetzen Hauses ist." Erst im August 2008 hatte Scherf den weltweiten Heimvernetzungsmarkt auf 168 Millionen Haushalte geschätzt.
Michael Wolf, Research Director bei ABI Research nennt sogar konkrete Zahlen: "Sofern G.hn im Jahr 2010 in Geräten integriert ist, erwarten wir für 2013 die Auslieferung von rund 42 Millionen kompatibler Knoten in Set-Top-Boxen, Gateways und anderen CPE-Einrichtungen."
Unmittelbar nach der Bekanntgabe des ITU-Standards hatte der spanisch PLC-Chiphersteller DS2 mitgeteilt, dass er dieses Jahr den Chipsatz DSS9960 auf den Markt bringen wird, der dem neuen Standard entsprechen und zu den bisherigen DS2-Chips für Powerline Communications (PLC) kompatibel sein soll. Entsprechende Anfragen bei Intellon und dessen Hauptprotagonisten Devolo haben hingegen bis heute keine klaren respektive gar keine Aussagen zu G.hn geliefert.












