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09.08.10 13:25 Alter: 10 Jahre
Kategorie: Digital Lifestyle, Fernbedienung, HDTV, Homenetworking, Netzwerk-Player, IPTV, Unterhaltungselektronik, WLAN, PLC, IEEE1901
Von: Arno Kral / Nina Eichinger

Heimvernetzung? Fragezeichen!

BITKOM stellt Waggener-Edstrom-Studie vor: Internet-Nutzer blicken besser durch, aber nur die Hälfte will ein Heimnetz.


BIKOM-Logo

Susanne Häckel, Waggener Edstrom

Susanne Häckel, Waggener Edstrom

München – Um markt-und kommunikations-relevante Rückschlüsse für Unternehmen aus den Bereichen Consumer Electronics, Telekommunikation und Content ziehen zu können, hatte die Münchner Niederlassung der Agentur Waggener Edstrom Worldwide im Juni 2010 das Institut forsa in Berlin mit einer Umfrage zum Thema Heimvernetzung beauftragt. Bundesweit repräsentativ waren 1048 Personen zwischen 18 und 69 Jahren nach ihrem Verständnis, Informationsstand und ihren Meinungen zum Thema „Heimvernetzung“ respektive „Connected Home“ und deren Anwendungs-Möglichkeiten befragt worden. "Heimvernetzung" hatte Waggener Edstrom dabei als die Zusammenführung von Internet, Handy und Computern mit verschiedenen elektronischen Unterhaltungsmedien wie Computer, Fernseher, HiFi-Anlage, Radio-Empfängern innerhalb eine Netzwerks im Haushalt" definiert. 

Susanne Häckel, federführend für die Studie bei Waggener Estrom München, erläutert die Motivation: „Es herrscht eine große Unkennnis und Unsicherheit bei den Konsumenten. Um den Menschen das Thema Heimvernetzung näher bringen zu können, muss von den Unternehmen Aufklärungsarbeit geleistet werden über die verfügbaren Produkte und die konkreten Anwendungsmöglichkeiten einer Heimvernetzung. Erst wenn die Konsumenten wissen, was möglich ist und was nicht, kann ein konkreter Kaufwunsch geweckt werden.“

Am Donnerstag, den 5. August 2010 hatte Michael Schidlack, Head of Department Comsumer Electronics & Digital Home beim BITKOM-Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V. die Ergebnisse dieser Studie der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Die auf vier Altersgruppen (18 bis 29, 30 bis 44, 45 bis 59 sowie 60+) herunter gebrochenen Ergebnisse sind bezeichnend: Knapp die Hälfte der Befragten gab an, schon einmal von "Connected Home" oder "Heimvernetzung" gehört zu haben, wobei  Unterschiede weniger zwischen Ost und West, sondern zwischen männlich (56 Prozent) und weiblich (39 Prozent) zu verzeichnen sind. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Jüngeren unter den Befragten vertrauter mit den Homenetworking-Begriffen, die Alters-Unterschiede (55, 50, 43, 43 Prozent) aber führen zu einer vergleichbaren Variation wie die Bildung (Hauptschule: 41 Prozent, mittlerer Abschluss: 53 Prozent, Abitur/Studium: 56 Prozent) oder das Haushaltseinkommen (unter 1500€: 47 Prozent, 1500€ bis 3000€: 49%, 3000€ und mehr: 52 Prozent).

"Das Einkommen ist, wie bei der Unterhaltungselektronik, in diesem Bereich nicht entscheidend", erläutert Michael Schidlack. "Bei reiner Informationstechnologie ist das anders." 

Bezeichnend für das Grundverständnis, worum es bei Heimvernetzung geht, ist indes die Internet-Nutzung: 54 Prozent der Surfer haben eine Peilung, ohne Internet sind es nur 29 Prozent.

Interessant für die Industrie dürfte ferner sein, was sich die Menschen unter „Connected Home“ respektive „Heimvernetzung" denn nun vorstellen. Denn die Begriffsbildung ist denkbar unscharf: Sie reicht von der Vernetzung und Steuerung von Haushaltsgeräten und Beleuchtung, Hausautomation also (36 Prozent) über die Vernetzung von Computern mit anderen elektronischen Geräten (35 Prozent) und WLAN / Computer-Netzwerk (31 Prozent) bis zur Fernsteuerung elektronischer Geräte im Haushalt beispielsweise per Handy (14 Prozent). Intelligente Stromzähler werden mit 1 Prozent indes nicht als Netzwerk-Objekte betrachtet

Michael Schidlack nimmt das Siebtel der Befragten, die unter Heimvernetzung eine Fernsteuerung verstehen zum Anlass, auf einen allseits bekannten Notstand hinzuweisen. "Bei durchschnittlich 50 (!) Elektrogeräten pro Haushalt streben wir als Kommunikations-Ziel der BITKOM das Eine-Fernbedienungs-Haus an."

In toto herrschen also immer noch recht ungenaue Vorstellungen davon, worum es bei Heimvernetzung wirklich geht: Gut ein Drittel (35 Prozent) versteht unter Heimvernetzung die Vernetzung zwischen Computer mit anderen elektronischen Geräten. Ebenso häufig (36 Prozent) werden Anwendungen genannt, die die Vernetzung und Steuerung von Haushaltsgeräten („weiße Ware“) und Beleuchtung betreffen. Viele Verwechslungen gibt es auch mit WLAN respektive "reinen Computernetzwerken" (31 Prozent).

Das Antwortverhalten änderte sich jedoch deutlich, sobald den Befragten der Begriff Heimvernetzung und die Anwendungsmöglichkeiten erläutert worden waren (wie, das lässt die Studie freilich offen). Danach antworteten sechs von zehn Bürgern (60 Prozent), schon einmal von den technischen Möglichkeiten der Heimvernetzung gehört zu haben. Überdurchschnittlich gut informiert sind wiederum Männer, unter 30-Jährige, Internet-Nutzer sowie Personen mit Abitur oder Hochschulabschluss.

Wenn also erst einmal klar ist, was sich mit einem Heimnetz machen lässt, ändert sich auch die grundsätzliche Einstellung dazu. Dann können sich 41 Prozent der Befragten die Nutzung einer Heimvernetzung gut vorstellen, 32 Prozent steht der Nutzung einer Heimvernetzung hingegen skeptisch gegenüber. Weitere 20 Prozent möchten sich weder dem Lager der „Befürworter“ noch dem der „Ablehner“ zuordnen, und 6 Prozent wissen gar nix. Skeptischer als der Durchschnitt der Bevölkerung sind ältere Personen ab 60 Jahre (43 Prozent Skeptiker, 23 Prozent Befürworter) sowie Menschen, die das Internet nicht nutzen (43 Prozent Skeptiker, 18 Prozent Befürworter).

Für Schidlack ist solches Antwortverhalten nichts Neues: "Wir kennen das schon von der SMS, einem Dienst, von dem die Industrie nie gedacht hatte, dass er sich einmal derart mächtig entwickeln würde."

Als subjektiven Informations-Stand ermittelt die Studie, dass  

  • jeder Sechste (16 Prozent) sich (sehr) gut informiert über technische Lösungen, also wie die einzelnen Geräte miteinander verbunden werden, fühlt
  • die überwiegenden Mehrheit (82 Prozent) wenig oder überhaupt nichts darüber weiss, welche Geräte überhaupt verfügbar sind, 
  • nur 9 Prozent gut oder sehr gut über Unternehmen informiert ist, die Lösungen für Heimvernetzung anbieten und 
  • sich Männer und Personen unter 30 Jahren sich generell überdurchschnittlich gut informiert fühlen.

Bezeichnend ist, dass die wenigsten überhaupt wissen, wo sie Heimvernetzungs-Komponenten respektive Lösungen erwerben können. "Neunzig Prozent wissen gar nicht, wer Heimnetzwerk-Produkte anbietet beziehungsweise, wo sie welche kaufen können", sagt Schidlack. Der DSL-Router kommt schließlich vom jeweiligen Internet-Provider, daher müsse der Endverbraucher sich nicht mit Anbietersuche herumzuplagen. 

  • Die Mehrheit der Bürger glaubt, dass Anbieter von Festnetz-Telefonie (56 Prozent) wie Deutsche Telekom, 1&1 oder Alice auch Lösungen für die Heimvernetzung anböten. Hersteller von Unterhaltungselektronik wie Sony oder Philips nennen 53 Prozent der Befragten. Hersteller von Netzwerk-Komponenten, also WLAN-Router, Modems, etc. wie AVM, Belkin oder Netgear kennen dagegen nur 39 Prozent aller und nur noch etwa ein Drittel der älteren Befragten.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten traut dies auch Software-Produzenten, Herstellern von Netzwerkkomponenten, Mobilfunkanbietern und Kabelnetzbetreibern zu.
  • Stromversorger werden hingegen nur von wenigen mit „Connected Home“ im Unterhaltungs-und Kommunikationsbereich in Verbindung gebracht (13 Prozent).
  • Junge Menschen unter 30 Jahren trauen den meisten Unternehmenstypen in höherem Maße Heimvernetzungs-Angebote zu, als ältere Personen. So vermuten in dieser Altersgruppe jeweils zwei Drittel, dass Festnetz Anbieter und Hersteller von Unterhaltungselektronik auch Lösungen für „Connected Home“ verkaufen.

Die bevorzugte Art der Vernetzung der Geräte ist für die Hälfte der befragten Bürger eine drahtlose: ein Drittel, also 33 Prozent, favorisiert WLAN, 19 Prozent bevorzugt die Vernetzung über Stromleitungen (PLC) und 17 Prozent wollen gar keine Heimvernetzung. Britband, Kabel oder Bluetooth halten noch deutlich weniger Personen für sinnvoll.  "WLAN ist das Synonym für Heimvernetzung", sagt Schidlack, weil 70% der DSL-Router damit ausgerüstet seien. Network Attached Storage (NAS) sei dagegen nur der Gruppe der unter Dreißigjährigen überhaupt ein Begriff. "Andererseits liegt der Marktanteil  Internet-fähiger Fernsehgeräte bereits bei 36 Prozent", so Schidlack, "aber weniger als die Hälfte werden laut GfK auf eingebunden!"  

Das Interesse an Heimvernetzung in der Wohnung findet immerhin 56 Prozent der befragten Bürger im Alter zwischen 18 und 69 Jahren interessant respektive sehr interessant, während 41 Prozent gegenteiliger Meinung ist. Dabei hat vor allem das Alter der Befragten Einfluss auf das Interesse: bei den unter 30-jährigen finden 70 Prozent Heimvernetzung interessant, bei den ab 60-Jährigen hingegen nur 39 Prozent.  

Das Interesse an mobilem Zugriff auf Heimvernetzung, etwa um per Handy an die zuhause gespeicherten Digitalfotos heranzukommen oder auf dem gleichen Weg den Videorecorder einschalten zu können, ist nur bei einem Drittel  (33 Prozent) der 18- bis 69-jährigen Deutschen vorhanden, 66 Prozent haben daran kein Interesse.

Groß sind nämlich die Bedenken gegen Heimvernetzung: 54 Prozent finden, dass ihre persönlichen Daten nicht ausreichend geschützt sind, etwa gegen Hacker-Angriffe. 39 Prozent sind die Kosten zu hoch, 33 Prozent bemängeln das Fehlen eines einheitlichen Standards, 29 Prozent fürchten, dass ihr Wissen nicht ausreicht, 28 Prozent meinen, die Technik sei noch nicht ausgereift, 22 Prozent ist die Bedienung zu kompliziert. Die gute Nachricht am Ende: nur 17 Prozent fürchten Gesundheitsschäden, etwa durch Elektrosmog.

Fazit:

 

Mit der Studie Heimvernetzung schafft Waggener Edstrom eine vernünftige Grundlage für Industrie, Dienstleister und deren Verbände. Sie sind es, die die Breitband-Initiative der Bundesregierung mit Leben füllen sollen, dabei darf aber der Datenpfad nicht am DSL-Router enden. Richtig interessant wird es aber erst, wenn alle Geräte im Haus sinnvoll miteinander kommunizieren können. Schon im Dezember 1996 hatte der IT-Papst des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in seiner Wired-Kolumne das Ende des Personal Computers in seiner klassischen Form, nämlich als Plattform unbegrenzter Möglichkeiten vorhergesagt und statt dessen postuliert, dass statt dessen mehr oder weniger "dumme" Geräte künftig miteinander kommunizieren würden, wobei die  Intelligenz im Netzwerk steckt. Vierzehn Jahre später tut sich die Industrie immer noch schwer, den Menschen nicht Technik, sondern Lösungen anzubieten. Industriestandards sind grundsätzlich eine feine Sache, zu bescheiden aber sind die Standardieiserungs-Ansätze Universal Plug and Play (UPnP) respektive Digital Lifestyle Alliance (DLNA), mit denen  Unterhaltungs-Elektronik- und IT-Industrie einheitliche Kommunikationsplattformen schaffen wollen: Die technische Entwicklung ist inzwischen viel weiter, als in diesen Standards, die niemandem weh tun wollen, nach Möglichkeit keine Lizenzgebühren kosten und die Komplexität der Geräte nicht wesentlich vergrößern dürfen. Sie sind nicht geeignet, technischen, wenngleich proprietären, Spitzenprodukten der alten Platzhirsche aus der UE Paroli zu bieten. Der Branchenverband BITKOM jedenfalls ist mit der Heimvernetzungs-Umfrage auf dem richtigen Weg, weg vom Umsatz-getriebenen Marketing hin zur Verbraucher-gerechten, Nachfrage-gesteuerten Öffentlichkeitsarbeit. Der vernand wird noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten müssen, bis zum einen die Verbraucher klar zwischen Hausvernetzung und Hausautomation unterscheiden können, zum anderen die Industrie versteht, dass die Zeit von herstellerspezifischen Insellösungen vorbei ist.  

 

 


Dateien:
2010-07-29_Vorstellung_Studie_Heimvernetzung_dt_final.pdf1.5 M

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