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01.12.10 23:36 Alter: 10 Jahre
Kategorie: Top-News, Marktdaten
Von: Arno Kral / Nina Eichinger

Der VDE fordert den zügigen Ausbau der Stromnetze

Energie-Experten diskutieren in Mannheim den Entwicklungspfad für den Umbau der deutschen Stromnetze


Stephan-Kohler, Leiter der Deutschen Energieagentur (dena)

Stephan-Kohler, Leiter der Deutschen Energieagentur (dena)

VDE-Logo

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Frankfurt/Main – Der beschleunigte Ausbau der deutschen Stromnetze - ganz gleich ob auf der Transport- oder Verteilungsebene - ist zweifelsohne dringend, sollen die europäischen und deutschen Klima-Ziele nicht in Gefahr kommen. Darauf weist unter anderem das VDE-Positionspapier "Übertragung elektrischer Energie" hin. Auf der gemeinsamen Informations-Veranstaltung der Deutschen Komitees CIGRE (Deutsches Komitee der Internationalen Hochspannungskonferenz beim VDE) und CIRED (Deutsches Komitee der Internationalen Konferenz über elektrische Verteilnetze, das bei der Energietechnischen Gesellschaft im VDE angesiedelt ist) zum Thema "Smart Grids: Hype oder Vision?" diskutierten Experten in Mannheim Entwicklungen künftiger Stromnetze. 

Der Leiter der Deutschen Energieagentur (dena), Stephan Kohler, stellte den Experten die Ergebnisse der zweiten Netzstudie vor, die besonders untersucht hat, wie sich der Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Netze auswirkt. Die aktuelle dena-II-Studie wurde intensiv von Mitgliedern des VDE unterstützt, der bereits verschiedene Studien und Positionspapiere zu diesem Thema erstellt hat. Alle Untersuchungen laufen darauf hinaus, dass die Stromnetze in Deutschland zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben deutlich ausgebaut werden müssen.

"Bei Verwendung etablierter 380-kV-Freileitungstechnik müssen 3.600 km Höchstspannungstrassen bis zum Jahr 2020 gebaut werde", fordert Kohler.  Einschließlich des notwendigen Anschlusses der Offshore-Windparks betragen die Kosten hierfür 9,7 Mrd. Euro. "Wir müssen schnell eine robuste Vision zukünftiger Energienetze entwickeln, die die integrative Versorgung mit Strom, Wärme und Kälte sowie Mobilität berücksichtigt und gleichzeitig alle Arten von Kunden und Erzeugungseinheiten gleichermaßen einschließt", betont VDE-Experte Prof. Dr.-Ing. Armin Schnettler, Leiter des Instituts für Hochspannungstechnik (IFHT) an der RWTH Aachen, der die dena-II-Studie als externer Gutachter geprüft hat. Dazu sollte ebenso das Treffen des VDE mit Vertretern der gesamten Energiebranche in Mannheim beitragen . 

Akzeptanz-Offensive für den Netzausbau

Es zeigt sich, dass für viele Übertragungsaufgaben ein klassisches 380kV-Freileitungsnetz, das sowohl durch den Neubau von Leitungen als auch durch die Verstärkung von bestehenden Leitungstrassen ertüchtigt wird, die technisch und wirtschaftlich beste Lösung darstellt. Diese muss aber zunehmend durch heute noch nichtkonventionelle Technologien unterstützt werden, wozu insbesondere Flexibilisierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseile, und der Einsatz von Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ-Freileitungen und Kabel vor allem zum Anschluss von Offshore-Windparks) gehören.

Problematisch bei der Umsetzung der Maßnahmen ist insbesondere die Einbindung der Öffentlichkeit, die zwar insgesamt einen Ausbau der erneuerbaren Energien befürwortet, aber derzeit nicht bereit ist, auch den notwendigen Ausbau der Stromnetze vor allem über Freileitungstrassen zu akzeptieren. "Hier müssen wir zum einen alle vielversprechenden neuen Technologien für einen schnellen Einsatz qualifizieren und zum anderen die Öffentlichkeit stärker in die technischen Optionen mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen einbinden", fordert Fachmann Schnettler. 

Zweiter Themenschwerpunkt auf der Tagung waren die Verteilungsnetze, die mit Automatisierungs- und Kommunikationstechnik intelligent werden sollen. Die Aufrüstung zum Smart Grid erfolgt im Wesentlichen durch Einbau und Nutzung von Sensoren und Aktoren sowie Informationstechnologie, um möglichst viele Informationen über den Zustand zu erhalten, also den Beobachtungs- und Steuerungsgrad deutlich zu steigern. Um zu einem smarten Verteilungsnetz zu kommen, werden die Ortsnetzstationen im ersten Schritt mit Mess- und Kommunikationseinrichtungen ausgerüstet. Darüber hinaus werden die Endkunden über neuartige Zähler (Smart Meter) eingebunden. "Hier können neue Geschäftsmodelle zu einer höheren Energieeffizienz führen", betont Wolfgang Glaunsinger, Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE.

Der Strom kommt in Zukunft vornehmlich aus dem Norden.

Die Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee sollen bis 2030 rund 25 Gigawatt Leistung anbieten. Gebraucht wird die elektrische Energie hingegen besonders im Süden und Westen der Republik. Deshalb gilt: Ohne Netze keine neue Energie. Nun soll die Politik Anreize setzen, um die zu langen Planungs- und Genehmigungsfristen zu verkürzen, so die Forderung des VDE.


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