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01.06.11 19:12 Alter: 9 Jahre
Kategorie: Top-News, Sicherheit, Bezahlsysteme
Von: Heinz Kreft

sofortüberweisung.de — teuer und problematisch

Der ePayment-Dienst steht im Fokus der Datenschützer, verteuert das Bezahlen, und wer ihn nutzt, verstößt gegen die AGBs seiner Bank und sämtliche Haftungsansprüche.


Spion (mit freundlicher Genehmigung des Dino-Verlags)

sofortuevberweisung.de-Logo (©Payment Networks AG)

sofortuevberweisung.de-Logo (©Payment Networks AG)

fairCASH-Logo (©Smartmedia PresSservice GmbH)

fairCASH-Logo (©Smartmedia PresSservice GmbH)

München/Kiel — Am 30.05.2011 war im Internet NDR Info u.a. der Artikel „Internetzahlungsdienst im Fokus der Datenschützer“ über den Payment-Service sofortueberweisung.de der Gautinger Firma Payment Network AG erschienen. Der Artikel beleuchtet die im Rahmen der Dienstleistungen durchaus fragwürdigen Praktiken des Anbieters, denen c't-Redakteur Axel Kossel im Selbstversuch auf die Schliche gekommen war. Kossel hatte das Werbeversprechen untersucht, dass sofortueberweisung.de ohne Registrierung und ohne Umweg über die Internetseite der eigenen Bank Überweisungen direkt aus einem seiner 17.000 Partnershops heraus ausführen könne, wozu der Kunde allerdings die vertraulichen Zugangsdaten seines Bankkontos auf der Seite von sofortüberweisung.de eingeben müsse. Das hatte der c't-Redakteur getan um dann feststellen zu müssen, dass von einem anderen als dem angegebenen Konto abgebucht worden war.

Die Payment Network AG veröffentlichte auf ihrer Webseite noch am gleichen Tag eine Mitteilung, der zur Folge der Kossel-Fall ein Einzelfall und behoben sei und über zwei Jahre zurück liege. 

So lohnt ein genauerer Blick hinter die Kulissen um zu verstehen, wie die Sache funktioniert: Man übergibt sofortueberweisung.de die PIN und eine TAN seines Internet-Banking-Accounts nebst aller sonst noch erforderlichen Angaben zur Durchführung einer Zahlung — und die Sache ist erledigt. 

Meint man. Ist sie aber nicht!

  1. Der Kontoinhaber verstößt gegen die AGBs seiner Bank. Dadurch verliert er die Haftungsfiktion. Also wird seine Bank ab diesem Zeitpunkt bis zur Konto-Schließung sämtliche Haftungsansprüche mit Hinweis auf Verstoß gegen die verabredeten Spielregeln ablehnen. Das könnte durchaus äußerst teuer werden. Darüber hinaus wird unter anderen gerade gerichtlich geklärt, ob es sich hier möglicherweise um Anstiftung der Kontoinhaber zu einer Straftat handelt.
  2. Dank der PIN schaut sich dann sofortueberweisung.de erst einmal auf dem Konto um und wertet die dabei gefunden Information für eigene (noch unbekannte) Zwecke aus.
  3. Treten dabei „Fehler“ auf, haftet der Kunde, der seine Zugangsdaten vertragswidrig weitergegeben hat.
  4. Darüber hinaus machten Peter Hornung & Jürgen Webermann von NDR Info deutlich, was noch passiert. Sie schreiben u.a. „In dem Moment, wo der Kunde dem Zahlungsdienst Zugang zu seinem Bankkonto gewährt, laufen im Hintergrund nämlich umfangreiche Prüfungen ab - das ergaben jetzt Recherchen von NDR Info. Bei in den vergangenen Wochen stichprobenartig durchgeführten Sofortüberweisungen wurden neben dem Kontostand auch die Umsätze der letzten 30 Tage, der Dispokredit, die Stände anderer Konten bei der gleichen Bank oder ausgeführte und vorgemerkte Auslandsüberweisungen abgefragt. Auch wie viele Konten der Kunde bei seiner Bank hat, wurde geprüft…“. Die Firma Payment Network nennt diese Art von Spionage übrigens „Betrugsprävention“.

Ob der Gautinger Anbieter rechtlich unter die Guillotine kommt, ist zumindest von der BaFin-Seite her ausgeschlossen, ist er doch nur Gehilfe des Kunden, und tritt damit nicht einmal als Zahlungsdienstleister (Payment-Provider oder bank-ähnlich auf. Ungemach droht allerdings von seiten des Bayerischen Datenschützers Thomas Kranig, ehedem Richter am Verwaltungsgericht, der heftige Datenschutzschmerzen empfindet und bereits Kontakt zum Unternehmen aufgenommen hat.

  • Was viele nicht wissen: „Der Händler erhält nach Abschluss der sofortüberweisung.de eine Echtzeitbestätigung“ (Zitat von der Webseite des Anbieters). Die Überweisung nimmt nach wie vor die kontoführende Stelle vor.
  • Das Geld kommt auch nicht schneller zum Ziel, es gelten die SEPA-üblichen Fristen.
  • Allerdings verlangt sofortueberweisung.de gemäß der Wertschöpfungskettenverlängerung seinen Anteil an der Überweisung: 1 Prozent kneift er sich vom Kuchen ab, bezahlen muss der Shop-Anbieter, der das gleich mal in seine Preise einkalkuliert!

Das ist richtig teuer, wenn man sich mal klarmacht, das sofortueberweisung.de nur ein einziges Leistungsmerkmal dafür bietet: Garantie der Zahlung (wobei diese Art von Garantieleistung gegenüber anderen Anbietern vergleichbarer Leistungen durchaus unterschiedlich zu werten ist). Denn nicht geklärt erscheint dem Autor die Haftungsfrage: Was passiert, wenn trotz der Echtzeitbestätigung keine Zahlung auf dem Zielkonto eingeht? Hier müsste man einen Blick in die Händlerverträge werfen, wie dies denn nun geregelt ist.

Die Sache um vieles vereinfachen könnte digitales Bargeld, wenn es denn schon verfügbar wäre: Denn auch digitales Bargeld ist, wie schon vom physikalischen Bargeld her bekannt, in seiner Anwendung final, sonst wäre es kein Bargeld. Die Eigenschaft der Finalität aber weist kein einziges der heute verfügbaren ePayment-Systeme auf. Mit digitalem Bargeld aber bekämen Verkäufer wie Käufer einen Service, wie ihn sofortueberweisung.de bietet, praktischer Weise gleich mit eingebaut – das jedoch kostenfrei! Ein Blick wie das Ganze funktioniert, kann ein Besuch auf der fairCASH-Webseite zeigen.


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