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02.03.12 12:03 Alter: 9 Jahre
Kategorie: Top-News, Digital Lifestyle, Heim-Anwender, Gamer, Administratoren, KMU, SOHO, Drahtlos-Netze, Echtzeitkommunikation, Internet-Intranet
Von: Arno Kral

MWC 2012: Schöne, neue, mobile Welt -- eine Nachschau

Über 65.000 Besucher hatte der Mobile World Congress 2012 ins Messegelände unter dem Mont Juic gelockt. Während draußen die Verlierer der Wirtschaftskrise in teils blutigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften demonstrierten, demonstrierten drinnen die CEOs der Schwergewichte der ITK-Branche, wie sie sich die mobile Zukunft vorstellen.


<xml></xml>Barcelona - Wieder einmal war Barcelona für vier Tage der Nabel der Welt der mobilen Kommunikation. Über 1500 Aussteller zeigten, was sie technisch so drauf haben, mit welchen Produkten und mit welchen Dienstleistungen sie Geld verdienen wollen und wie sie sich den Connected Planet vorstellen. Google spricht davon, dass binnen zwanzig Jahren jeder Erdenbürger ein Android in der Tasche habe, mindestens so leistungsfähig wie heutige Smartphones aber zum Stückpreis von lediglich einem US-Dollar. Sie sollten dann die fünf Milliarden Menschen endlich dazu befähigen, erstmals in ihrem Leben eine Google-Suchanfrage zu starten.

Nokia
Ins gleich Horn stößt der finnische Handy-Hersteller Nokia, der mit Microsoft einen Software-Partner gefunden hat, um ebenfalls mit Kraft in die Smartphoine-Ära aufbrechen zu können, nachdem er den Trend zum Tatsch-Phone schlicht verschlafen, sich in einem wahren Modell-Wust verzettelt  und darob massiv Marktanteile eingebüßt hatte. Nun erweitert er die Lumia-Produktpalette um das Windows-Mobile-Smartphone 610, das zum Kampfpreis 189 Euro über den Ladentresen gehen soll. "Voll fett" ist dagegen das Modell 808, dessen Kamera sagenhafte 41 Megapixel auflöst, und das bereits den Award "Bet of Show" abräumen durfte – es kostet 450€.

Interessanter aber zur Erschließung noch brach liegender Märkte sind die Erweiterungen respektive Updates der Asha-Serie um die Modelle 202 und 203. Das Nokia-Marketing betitelt sie mit "Smart Light". Das klingt nachdem, was sie sind: Smartphoners Light, also eine neue Produkt-Gattung, vom technischen Vermögen her angesiedelt zwischen Feature-Phone und Smartphone. Das 202 wird lediglich 65 Euro kosten und wird mit einem vorinstallierten Spiele-Paket im Wert von 75 Euro ausgeliefert. Es enthält eine 3-Megapixel-Kamera und ein UKW-Radio - so können auch User in netzfreien Zonen Spaß damit haben.

Das etwas leistungsfähiger Business-Modell 303 hingegen ist ein "Qualitäts-Device" mit freiem Zugang zu Microsoft Mail Exchange und kostet 95 Euro. Ob das als Strategie schon ausreicht, verlorenes Terrain wieder gut zu machen. Dabei soll freilich auch ein Sinneswandel bei der Nutzung helfen, weg von den zentralistischen App-Store-Systemen hin zu mehr dezentralen Strukturen. In seiner Mitwochs-Keynote  sagte Nokia-Chef Stephen Elop: "Wir glauben, dass sich die Apps, die wir heute sehen, auf der lokalen Aufmerksamkeitsebene zunehmend in Richtung Person-zu-Person (P2P) verändern werden. Die Märkte der Schwellenländer sind es, die diese Entwicklung voran treiben", sagte Elop. "Und die Verteilung von Apps wird durch P2P-Sharing erreicht werden. Aber wir müssen beim Aufbau eines nachhaltigen App-Ökosystems helfen."

Ericcson
Strategisch ist indes die Sicht in die "Connecte Future" von Ericsson-CEO Hans Vestberg. Er nutzte seine Keynote "Mobile World Live" am Mittwoch um auf die Bedeutung der Verbindungstechnik hinzuweisen, ohne diese Zukunft der "networked Society" gar nicht stattfinden könne. Er bezeichnet die zurückliegenden Jahre als „wirr im Kopf“ und wies darauf hin, dass es noch breite Wachstumsbereich gebe, nachdem die Smartphone-Durchdringung erst zehn Prozent erreicht habe. Seine Firma, die der weltweit größte Mobilfunk-Infrastruktur-Hersteller, erwartet bis 2020 immerhin 50 Milliarden vernetzte Geräte. Dieser hohe Vernetzungsgrad wird seiner Ansicht nach die Welt komplett verändern: "Wie wir alle wissen, änder sich das Leben eines Menschen sobald er erst einmal vernetzt  ist. Wenn aber alles vernetzt ist, ändert sich die Welt als Ganzes, und wir sind inmitten von all dem!", ist Vestenbergs Credo.  Sein EVP (Executive Vice President) Johan Wiberg, der den Geschäftsbereich "Networks" leitet, pflichtete ihm bei: "Unsere Aufgabe besteht darin, den Netzwerk-Betreibern wirklich zu helfen um die besten Netzwerke zu errichten und sie dazu zu befähigen, ihren Kunden das zu geben, was sie erwarten." Dazu müssten drei Bereiche in den Fokus genommen werden: Erstens die Optimierung des Makro-Netzwerks um aus den vorhandenen Ressource ein Maximum an Kapazität und Abdeckung heraus zu holen, zweitens der Zubau und die Verbesserung der Netzwerk-Dichte um wo immer möglich billige und effektive Abdeckung zu erzielen und drittens das Hinzufügen kleiner Zellen um im Gegenden hoher Verkehrsdichte die Abdeckung zu verbessern.  

Was unter "Kundenerwartung" zu verstehen ist, zeigte Ericsson zusammen mit Qualcomm Incorporated: High-Definition Video-Streaming über LTE-Netze, genannt eMBMS (evolved Multimedia Broadcast Multicast Services). Dabei handelt es sich um ein hoch effizientes Verfahren, das Multimedia-Dienste zeitgleich an eine große Zahl von Nutzern übertragen kann. Mit der neuen Technologie sollen sich künftig sogar TV-Angebote andere Multimedia-Angebote im Streaming-Verfahren kosteneffizient über ein LTE-Netz übermitteln lassen. Außerdem können entsprechende Inhalte gezielt zu Zeiten geringer Netzlast übertragen werden. In diesem Fall werden zumspäteren Abruf durch die Anwender auf den Endgeräten gespeichert. Die eMBMS-Technologie eignet sich besonders bei Live-Veranstaltungen, also etwa von Musik- oder Sportveranstaltungen, die sich eine sehr große Zahl von Menschen gleichzeitig anschauen möchten. Hier könnten den Interessenten zum Beispiel die Übertragung zusätzlicher Kamerapositionen angeboten werden. Für LTE-Netzbetreiber bedeutet die Einführung der eMBMS-Technologie, dass sie das vorhandene Frequenzspektrum und die Netzkapazität effizienter ausnutzen können. Neben Live-Inhalten können mit eMBMS auch On-Demand-Angebote, Podcasts oder Software-Updates übertragen werden. Kommerzielle Produkte für den weltweiten Einsatz, die eMBMS unterstützen, sollen frühestens 2014 auf den Markt kommen.

Ruckus Wireless
Ruckus Wireless betrachtet Smartphones künftig als Knotenpunkte in sozialen Netzwerken. Die US-Firma aus Sunnyvale, Kalifornien, verhilft der WLAN-Technik durch ausgefeilte Antennendesigns zu erstaunlichen Reichweiten und Abdeckungen. Sie wächst jedes Jahr um rund 100 Prozent denn man braucht sie, um den durch Smartphones und Tablets erzeugten Datenverkehr von Handy-Netzen weg in DSL-WLAN-Netze umzuleiten. 3G-Offload, heißt das Stichwort, und dass es einer Entlastung der Carrier-Funknetze bedarf, machte Steven Glapa, Senior Director of Field Marketing, im Interview mit dem tng deutlich. Allein Facebook habe 350 Millionen mobiler User, damit seien Smartphones die Verbindungsknoten der sozialen Netzwerke. Einer IBEM-Studie zur Folge seien bereits 75 Prozent der Entwickler mit der Erstellung mobiler Apps befasst, und 30 bis 40 Prozent der Business-Guys wollten nicht mehr ohne Smartphone sein. Folgerichtig verkauft Ruckus bereits ein Viertel der Geräte an Dienstleister wie Guest-Tek, iBahn oder DoCoMo. Neben diesen überregional tätigen gebe es laut Glapa die zweite Schicht der "local Guys", die sich der drahtgebunden wie drahtlosen Abdeckung von Städten zuwendeten. Als Berispiel nannte er die Firma KDDI in Japan, die alleine in Tokyo bereits 120.000 Ruckus-Wireless-Access-Points errichtet habe (und weitere zwei Tranchen á 100.000 Stück vorbestellt habe). Unterstützt werde Ruckus durch die Firma Ericsson, die 2011 ihr neues Hardware-Design vorgestellt habe, das WiFi ind Gegenden hoher Dichte den Vorzug gebe. Ruckus Wireless selbst habe inzwischen einen neuen Kombi-Chip entwickelt (bitte gegenchecken), der LTE und WiFi miteinander verbinde und so sehr kostengünstige "Basisstationen" möglich mache.

Google

"Das Web ist mehr als ein Netzwerk von Maschinen, es ist ein Netzwerk von Menschen", Eric Schmidt.

Als Visionär gilt das US-Unternehmen Google, das mit Werbung so viel Geld verdient, dass es sich fast jede Technologie leisten kann, die es auf der Welt zu kaufen gibt, und wenn das nicht reicht, dann wird sie eben selbst entwickelt. So war mit Spannung die Keynote des Konzern-Lenkers Eric Schmidt erwartet worden, dessen ruf am Mittwoch über 2000 ins größte Auditorium des Kongresszentrums gefolgt waren. "In zwanzig Jahren wird jeder Erdenbürger ein Android-Smartphone in der Tasche haben – für einen US$ pro Stück und mindestens so leistungsfähig wie heutige Geräte",  war sein Credo, denn auch er kennt die drei Economy-of-Scale-Gesetze der technologischen Weiter-Entwicklung, denen die gesamte Branche folgt:

  • Verdoppelung der Transistordichte auf Chips alle 18 Monate
  • Verdoppelung der Speicherdichte alle 12 Monate
  • Verdoppelung der Glasfaser-Bandbreite alle 9 Monate.

Cool, lässig und bedacht im Auftreten (und per drahtlosem Headset mit seinem Beraterstab im Dauerkontakt) legte die Ziele und Visionen seines Unternehmens offen: Noch gebe es fünf Milliarden Menschen, die noch nie eine Google-Suche durchgeführt hätten, und die gelte es mehr oder minder zu Kunden zu machen. Dazu brauche es zum einen massiven Ausbau der Konnektivität, zum anderen müssten die Preise für die Endgeräte weiter sinken. Googles Beitrag zu Letzterem: Demonstrierte der Leiter der Android-Entwicklung, Hugo Barra, die Chrome App for Android, auf einem Galaxy Nexus, das der Anwender ausschließlich per Chrome bedient. Damit käme man der Vision ein Stück näher, "Eine mobile Erlebnisqualität wenigstens auf dem Niveau heutiger Smartphones zum Bruchteil der Kosten. In zwölf Jahren werden die Handsets 20 Mal schneller sein, was bedeutet, dass Telefone, die heute 400 US$ kosten, dann für 20 US$ verfügbar sind. Wenn Google das richtig anstellt, wird es ein Android in jeder Tasche geben. Bei unserer derzeitigen Wachstumsrate ist das möglich." Eric Schmidt warnte aber auch vor einigen Risiken durch Zensur und Überregulierung und wies darauf hin, dass  Google-Produkte in etwa 25 der 125 Länder blockiert seien, in denen sein Unternehme aktiv sei. "Heute setzen sich 40 Länder für Online-Zensur ein, während es vor einer Dekade lediglich vier gewesen sind", sagte Schmidt. "Selbst in den USA haben wir in den letzten Monaten besorgniserregende legislative und regulative Vorschläge gesehen." Klassisches Eigentor für einen Macher, der gerade hoch erfreut auf den Arabischen Frühling hingewiesen hatte, der ohne Internet und Mobiltelefone gar nicht organisierbar gewesen wäre? Auf die Frage eines Iranischen Konferenz-Teilnehmer, warum man im Iran weder Zugang zum Android-Market (Apps) habe noch den Browser Google Chrome herunterladen könne.


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