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14.07.18 22:59 Alter: 100 Tage
Kategorie: Veranstaltungshinweis, Unternehmens-News
Von: Nina Eichinger

CeBIT 2018 - ein holpriger Neustartversuch

"Die CEBIT 2018 wird ein Business-Festival für Innovation und Digitalisierung", sagte Oliver Frese zur Ankündigung der "neuen" CeBIT. Und weiter: "Die CEBIT 2018 verbindet bekannte Messe-Elemente mit inspirierenden Konferenz-Formaten, innovativen Netzwerk-Plattformen und kreativen, künstlerischen Festival-Elementen." Nach der ersten Sommer-CeBIT bleibt ein schaler Geschmack zurück.


CeBIT Logo

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CeBIT 2018 - Geländeplan

CeBIT 2018 - Geländeplan

München – Die CeBIT ist seit vielen Jahren, fast schon Jahrzehnten, auf dem absteigenden Ast. Nach einem kurzen Hoch (um das EXPO-Jahr 200 herum) kamen immer weniger Besucher und immer weniger Aussteller nach Hannover. Messen wie die CES in Las Vegas und die IFA in Berlin haben dem ehemaligen Messe-Höhepunkt schon lange den Rang abgelaufen.

In den letzten Jahren gab es kein Jahr, in dem die Messegesellschaft nicht mit mindestens einem neuen Konzept für die CeBIT aufgewartet hatte - zuweilen auch mal zwei neue Konzepte in einem Jahr. Dass die Aussteller das immer weniger mitmachen wollen, war absehbar. Zudem hatte die CeBIT so manchen Trend verschlafen. IT mit Unterhaltungscharakter wollte man als Business-Messe nie auf dem Gelände sehen. Das ging so weit, dass Sony dereinst auf Anordnung der Messegesellschaft seine Playstations vom Stand nehmen musste.

In manchen Jahren behalf man sich damit, dass ganze Schulen aus dem Umland Hannovers auf das Messegelände losgelassen wurden. In anderen Jahren war die Zielsetzung, dass nur "echte" Fachbesucher die Messe besuchen dürfen. Damit wurden Firmen, die auf den Kontakt zum Endverbraucher setzten, verscheucht. Gleichzeitig entstanden immer mehr Spezialmessen, die Produktnischen deutlich besser abdecken konnte – und wieder verlor die CeBIT Kundschaft.

Als weitere Maßnahme wurde die CeBIT immer kürzer. Waren es in den 90er-Jahren noch zwei Wochen, war es bald nur noch eine knappe Woche, in der Hoffnung, die Besucherströme damit mehr zu bündeln. Doch gleichzeitig ging damit wertvolle Zeit für Gespräche an Ständen verloren.

Schon während und vor der CeBIT 2017 gab es viele Gerüchte rund um den Fortbestand der CeBIT. Viele schlugen vor, die CeBIT wieder mit der Hannovermesse zusammen zu legen, aus der sie vor vielen Jahren ja hervorgegangen war. Die Messegesellschaft entschied sich anders und verlegte die CeBIT in den Sommer - nichts mehr mit SchneeBIT.

Gleichzeitig sollte aus der CeBIT ein Event werden; eine Messe mit Festivalcharakter wie das South-South-West oder die IFA früher. Vom Messegelände wurde letztendlich nur noch ein Bruchteil genutzt. Die Messe war auf den West-Teil zusammengeschrumpft. Nicht einmal mehr das Pressezentrum war am gewohnten Platz zu finden – es war in einen der Glaspavillions an der Halle 11 gewandert, mit dem Charme einer Fabrikhalle. Ruhige Arbeitsplätze ebenso Fehlanzeige wie Schließfächer für das Arbeitsmaterial. Ersatzweise konnten die Journalisten ihr Gepäck kostenlos an den Garderoben abgeben, was für Notebooks und ähnliches ein Unding ist.

Doch nun zur Messe selbst

Wer wie gewohnt vom Eingang Nord aufs Gelände kam, der musste sich erstmal auf den langen Weg zu den tatsächlich genutzten Hallen machen. Genutzt wurden nämlich lediglich die Hallen 11 bis 17 und 25 bis 27 und ein paar Pavillions rund um den Hermes-Kopf. Die Hallen 11 bis 13 waren noch fast traditionell genutzt. Hier fanden sich Firmen wie Intel, Huawei und die üblichen Verdächtigen aus dem Netzwerkbereich wie AVM, Lancom und ähnliche sowie die Antivirus-Kompanies wie Kaspersky. Aber selbst hier waren einige der Messe trotz intensiver Bearbeitung durch die Messegesellschaft ferngeblieben. Huawei hatte es sich aber nicht nehmen lassen, trotz der zeitlichen Überschneidung mit der ANGACOM, einige größere Ankündigungen auf der CeBIT zu machen. Dazu gehörte unter anderem eine Partnerschaft mit PSA im Bereich Connceted Vehicle. Dabei geht es im ersten Schritt um die Bereitstellung von Lösungen, die das Autofahren vereinfachen sollen und Dienstleistungen rund um das Auto anbieten sollen. Daneben stellte Huawei seine Smart-Airport-Lösung vor, die sowohl zur Sicherung des Flughafengeländes als auch zur Verbesserung der Kommunikation auf dem Gelände genutzt werden kann. Letztere ist in Zeiten von vernetzten Geräten und Sensoren zunehmend wichtig. Aber auch der Supermarkt der Zukunft war auf dem Stand zu bewundern - mit vernetzten Waren und Einkaufswägen, die Einkäufe selbsttätig erfassen und direkt mit dem Kassensystem kommunizieren.

Am Nachbarstand widmete sich Intel dem Verkehr der Zukunft und hatte dazu einen Multicopter am Stand ausgestellt – Sinnbild für moderne Transportmittel wie Flugtaxis.

In den 20er-Hallen ging es eher hemdsärmelig zu. Hier fand man die Start-ups und jungen Unternehmen. Viel Platz, wenig Mobiliiar und Standgrenzen, aber auch wenig Publikum.

Auf dem Freigelände hatte SAP ein Riesenrad aufbauen lassen, am Rande eines eher Kirmes-ähnlichen Bereichs, auf dem unter anderem eine kleine Surf-Anlage zu finden war. Angrenzend an dieses Freigelände rund um den Hermes hatten sich IBM und Vodafone in Pavillonen breit gemacht. IBM hatte zusätzlich noch auf dem Bereich direkt davor eine Plattform a la "Dinner in the sky" aufgebaut. Daneben irritierte im ersten Moment ein großes Bällebad. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich dieses Bällebad als öffentlichkeitswirksame Kooperation mit "Water is right". Im inneren der beiden Pavillons von IBM stellte sich dann endgütlig heraus, dass IBM das Konzept der neuen Messe am besten verstanden und mit Inhalten gefüllt hatte. IBM hatte es geschafft, die spröde, eher langweilige Technik, mit anwendenden Unternehmen zu paaren, die mit ihren Produkten an den einzelnen Ständen vertreten waren.

Fazit

Konzerte am Abend und "Events" rund um die Hallen mögen vereinzelt neue Besucher heranziehen, aber inwieweit damit auch neue Kunden für die ausstellenden Firmen aufs Gelände kommen, ist zweifelhaft. Prof. Dr. Heckl vom Deutschen Museum hat diesen Trend - wenn auch im Zusammenhang mit PublicVieweing rund um die Fussball-WM - sehr treffend als "Eventualisierung" beschrieben: Die Inhalte werden beliebig, Hauptsache, das Event gibt was her. Und so, wie beim PublicViewing völlig uninteressant ist, wer da gerade auf dem Spielfeld steht, ist es bei der CeBIT weitgehend uninteressant, welche Produkte vorgestellt werden. Ob eine Messe sich damit halten kann, bleibt abzuwarten, wir halten es aber für unwahrscheinlich.


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