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Augenwischerei mit großen Zahlen

Augenwischerei mit großen Zahlen

Die WLAN-Lüge

Bandbreiten-Lüge

Dass Full-Duplex-Dilemma geht aber aus den schönen Angaben auf den WLAN-Verkaufsverpackungen ebenso wenig hervor, wie die Tatsache, dass sich mit jeder weiteren, am Access Point angemeldeten Station (PC, Notebook, PDA) ? im Netzwerk-Jargon: Client ? der Durchsatz weiter verringert. Sind sie in der gleichen Funkzelle mit der gleichen SSID (Service Set Identifier) eingebucht, dann teilen sie sich die Bandbreite im Funkkanal genauso, wie es in Netzwerken mit passiven Hubs (Netzwerkknoten) der Fall ist.

Und noch ein zwar verkaufsförderndes aber dennoch irreführendes Faktum sei hier erwähnt: Nirgendwo steht auf einer Verpackung, welchen Nettodurchsatz die darin steckenden Produkte erreichen. Dort finden sich lediglich Angaben über die so genannte Symbol- oder Linkrate (den Bruttodurchsatz), die immer wenigstens rund 50 Prozent über dem erzielbaren Nettodurchsatz liegt.

Selbst in der Theorie und unter idealen Bedingungen (Access Point und Station befinden sich in unmittelbar Nachbarschaft, kein weiteres Gerät nimmt an der Kommunikation teil oder stört sie) lassen sich WLAN-G (Symbolrate: 54 MBit/s) niemals mehr als 30,5 MBit/s "herausquetschen".

Anzahl nicht interferierender Kanäle

Modulation

max. Symbolrate

theoretischer max. TCP-Durchsatz

theoretischer max. UDP-Durchsatz

802.11b

3

CCK

11 MBit/s

5,9 MBit/s

7,1 MBit/s

802.11g (mit 802.11b)

3

OFDM/CCK

54 MBit/s

14,4 MBit/s

19,5 MBit/s

802.11g (ausschließlich)

3

OFDM/CCK

54 MBit/s

24,4 MBit/s

30,5 MBit/s

802.11a

19*

OFDM

54 MBit/s

24,2 MBit/s

30,5 MBit/s

802.11a Atheros Turbo Mode

6

OFDM

108 MBit/s

42,9 MBit/s

54,8 MBit/s

* 13 nicht überlappende Kanäle in den USA und je nach Region bis zu 19 nicht-überlappende Kanäle in Europa.

Die vorstehende Tabelle zeigt, was überhaupt von den großen Zahlen auf den Verpackungen zu halten ist: Nichts. Denn selbst die Chipset-Hersteller ? in diesem Fall Atheros ? können nicht zaubern. Sie müssen den drahtlos zu übertragenden Datenpaketen Adress- und Fehlerkorrektur-Bits hinzufügen. Außerdem steht der Übertragungskanal ja niemals ununterbrochen für die Datenübertragung zur Verfügung. Stattdessen sind zwischendrin "Sendepausen" eingefügt, in denen die Empfänger lauschen, ob vielleicht eine andere Station Daten absetzen will.

Doch unsere Messungen zeigen, dass selbst dann, wenn Access Point und PCcard vom gleichen Hersteller stammen, die nicht standardisierten Spezial-108-MBit/s-Modi in der Praxis nicht beobachten sind.

Als Faustregel gilt: Wenn zwei WLAN-Geräte miteinander kommunizieren, steht etwa die Hälfte der auf der Verpackung aufgedruckten Linkrate zur Verfügung, bei dreien etwa ein Drittel, bei vieren ein Viertel, etc. ? sofern sie alle gleichzeitig kommunizieren.

Das Bittere an der Sache: Selbst Microsofts Windows XP informiert keineswegs über die tatsächliche Verbindungsgeschwindigkeit, sondern lediglich über den aktuellen Linkstatus des WLAN-Adapters, meldet also selbst dann brav "Übertragungsrate: 54 MBit/s", wenn beim Empfänger noch schlappe 11 MBit/s ankommen.

Schon zwei Wände in sechs und zwölf Metern Abstand reduzieren prächtige 54 MBit/s brutto auf klägliche 1 MBit/s (Ekahau Site Survey 2.1).

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