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Hubert und der Piratenschatz

Netzwerksicherheit : Hubert und der Piratenschatz

Erste Spuren

Hubert konzentrierte sich wieder auf die FTP-Server-Logs. Wer war nur 192.168.0.39? Er hatte auf einmal ein ganz bestimmtes Bild im Kopf: ein mürrisches Teenager-Gesicht, voller Piercings und fettige blaue Haare. Den Sommer über hatte die Versandabteilung einen Praktikanten eingestellt, einen Garagen-Rocker, der meinte, dass sein Job bei Gotthilf & Söhne für ihn der große Durchbruch im Musik-Business sein würde. Als er schließlich kapierte, dass Gotthilf nichts anderes machte als Blechblasinstrumente für Kapellen, war er sauer geworden. Und außerdem nutzte er einen Netzwerkcomputer, um neue Lieferungen zu aktualisieren. Für Hubert deutete dies alles eindeutig in Richtung Rude Rex Rocks. Alles, was er noch brauchte, war ein Beweis.

Er loggte sich aus seinem Administrator-Account aus und verschloss das Rack. Er griff sich den bereits ausgedruckten Teil der FTP-Server-Logs und rannte zurück in sein Büro. Dort ließ Hubert sich in seinen Stuhl plumpsen und loggte sich wieder ein – der Report war immer noch offen. Er scrollte runter zu ?Authentication´ und überflog schnell die Liste der IP-Adressen. Hubert war jetzt froh, dass er alle Anwender dazu gebracht hatte, sich für die Firebox zu authentifizieren.

Zack – da war es. "192.168.0.39 ist Bert Schnappinger", nuschelte er. Dann absolut überrascht: "Bert Schnappinger? Aber der hat doch keinen blassen Schimmer von Computern!"

Bert arbeitete in der Steuerabteilung des Unternehmens und war ein sehr angenehmer Typ, der Hubert auch gerne Fragen zu seiner persönlichen Steuererklärung beantwortete. Aber er rief Huberts Team mindestens zweimal die Woche an, weil er ein IT-Problem hat. Und jedes Mal schwor Bert Stein und Bein, dass sein Computer den Geist aufgegeben hätte. Und jedes Mal war es nur Kinderkram. Einmal zum Beispiel war er mit seinem Schreibtischstuhl über sein Stromkabel gefahren und hat dadurch seinen Computer ausgesteckt. Ein anderes Mal, als Bert von Andi eine neue schöne optische Maus erhielt, rief Bert danach an und beschwerte sich, dass die Maus nicht funktioniere. Als Hubert dem Problem auf die Spur ging, hielt Bert die Maus in die Luft und richtete sie in Richtung Monitor wie eine TV-Fernbedienung und klickte wild darauf herum: "Siehst du, sie funktioniert nicht!"

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Bert konnte unmöglich Accounts auf einem FTP-Server öffnen. Bert wusste nicht einmal genau, was ein Server überhaupt ist. Hubert war sich sicher, dass Bert nicht der Eindringling sein konnte.

Andi erschien vor der Tür. "Keine guten Neuigkeiten", beschwerte er sich. "Gotthilf hat mich weggeschickt."

"Wir haben größere Probleme", raunzte Hubert ihn an. "Wir wurden benutzt. Die IP-Adresse, die 9inchnails illegalerweise gesteuert hat – die gehört Bert Schnappinger."

Andi riss die Augen auf und fing dann lauthals zu lachen an. "Bert Schnappinger ein Hacker? Das kann einfach nicht sein!"

"Genau. Und deshalb bedeutet dies, dass ein Eindringling seinen Computer nutzte und sich an 9inchnails zu schaffen machte." Hubert schlug sich auf einmal mit der flachen Hand auf die Stirn, er hatte einen Gedankenblitz. "Scheiße, jetzt erinnere ich mich, Bert ist im Urlaub! Geh und bring seinen PC in Verwahrung, kannst du das bitte machen? Ich schau mir lieber gleich diesen FTP-Server genauer an."

Mit schnellen Schritten eilten beide Männer den Flur entlang. "Ich werde Dirk Steiner die Nachricht beibringen", fiel Hubert noch ein, als Andi schon fast um die Ecke war. Ohne sich umzudrehen, stimmte Andi ihm mit erhobenen Daumen zu.

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