Hubert und der Piratenschatz (Teil 2)
Netzwerksicherheit : Der Piratenschatz, zweiter Teil
Chefsache
Eine Stunde später saß Hubert wieder in seinem bequemen Stuhl und gab sich Streck- und Gähnübungen hin. Sein Chef Dirk Steiner hatte fast einen Nervenzusammenbruch bekommen, als er erfahren hatte, was mit dem Netzwerk passiert war - und warum! Hubert hatte es so richtig genossen, ihm dabei zuzusehen. Plötzlich nahm jemand die Netzwerksicherheit nun so wichtig, wie es sich gehörte. Nach einer flüchtigen Untersuchung des betroffenen FTP-Servers fand Andi wichtige Details über die Qualität und Quantität der Dinge heraus, die über den Firmen-Server verschickt worden waren und wie viel Copyright-Gesetze Gotthilf & Söhne über das Wochenende hinweg gebrochen hatte. Die Aussicht, dass das kleine Musikunternehmen mit seien 200 Mitarbeitern von Medien-Giganten wie Sony oder Bertelsmann vor Gerichte gezerrt werden könnte, gefiel dem IT Verantwortlichen absolut nicht.
Über die Freisprechanlage hatten Steiner und Hubert es geschafft, den Geschäftsführer Gotthilf auf seinem Handy am Flughafen zu erreichen. Gotthilf gab freiwillig zu, dass er das Firmen-Notebook auch zu Hause dafür benutzt hatte, persönliche E-Mails sowohl von seinem ISP- als auch von seinem Hotmail-Account abzurufen – ohne zu wissen, dass dies fatale Folgen haben konnte. Als geborener Opportunist sponn Steiner geschickt die ernsthafte Attacke zu einem Haftungs-Albtraum weiter und malte absolute Horrorszenarien bis ins Detail aus.
Was, wenn der Angreifer vom FTP-Server der Firma Gotthilf & Söhne zum Netzwerk eines Lieferanten übergesprungen wäre? Dann hätte Gotthilf für jeglichen Schaden an den Computern des Lieferanten haftbar gemacht werden können. Was wäre, wenn der Angreifer den Weg in die Kundendatenbank gefunden und Kreditvereinbarungen mit Musikgeschäften oder Kontonummern geklaut hätte? Dann wäre Gotthilf & Söhne für jeglichen Geldverlust haftbar. Was wäre, wenn der Angreifer einige der Computer-gesteuerten Stationen an der Produktionsstraße im Visier hatte und diese dann ganz was anderes produzieren ließ? Was wäre, wenn...
Als Gotthilf mit all diesen Kosten für die Attacke konfrontiert wurde, wurde er schnell weich, denn ihm war klar, dass Vorsicht viel günstiger als Nachsicht ist. Steiner und Hubert erhielten die Erlaubnis, eine Server-basierte und zentral verwaltete Anti-Virus-Lösung zu kaufen und zu installieren. Alles, was sie ihrem verärgerten Boss dafür versprechen mussten, war, Stillschweigen darüber zu bewahren, wie es denn passieren konnte, dass das Netzwerk eine Hacker-Attacke erleiden musste. Hubert (stolz wie Oskar) entlockte ihm auch noch die Erlaubnis, WatchGuards ServerLock kaufen zu dürfen. Diese Lösung hätte verhindert, dass Rude Rex Rocks Directories auf dem FTP-Server generiert oder das Laufwerk beschrieben hätte. Und, am allerschönsten für Hubert, der Geschäftsführer erlaubte, dass er die E-Mail-Richtlinien im Unternehmen abändern durfte. Das Gespräch endete damit, dass Gotthilf ihren Fleiß lobte und erklärte, wo genau er am Flughafen auf Andi warten würde, bis dieser mit allen wichtigen Tools auftauchen und seinen Laptop wieder in einen annehmbar sicheren Zustand bringen würde.









